Samstag, 24. Juni 2017

Donnerstagsphobie

„Hallo ihr Lieben,

da bin ich auch (schon) wieder. Ja, diesmal musstet ihr nicht so lange warten.
Habt erst einmal vielen lieben Dank für all die lieben Worte, die ihr mit bei meinem letzten Post mit all den vergangenen 12tel Blicken hinterlassen habt.

Da war ja bei der einen oder anderen auch heraus zu hören, dass nicht alles glatt läuft. Ich hoffe, dass sich bei jedem alles wieder so hin ruckelt, dass es passt und euch nichts Schlimmes widerfährt.“

So hatte ich einen anderen Post angefangen, denn eigentlich wollte ich Euch was gaaaanz anderes zeigen…
Aber so oft kommt es anderes als man denkt. Ich dachte, ich lasse Euch einfach an meiner sich langsam manifestierenden Donnerstagsphobie teilhaben. Echt jetzt, als Teenie lebte ich noch getreu dem alten Garfield Motto: „Ich hasse Montage“, aber da bin ich mir mittlerweile nicht mehr so sicher.

Alles begann am Donnerstag, den 15.07….
Da kam ich spätnachmittags nach Hause und hatte genau eine halbe Stunde, bevor ich mit entschloss, mal die Familie anzurufen…
Mama: Hast Du schon gehört, bei Dir um die Ecke haben sie eine Bombe gefunden.
Schluck…
Pause…
Ich muss schon gestehen, dass mein erster Gedanke einem vereitelten Terroranschlag galt, was glaube ich tief blicken lässt, wie man sich angesichts der derzeitigen weltpolitischen Lage so fühlt.
Aber da lag ich glücklicher Weise falsch. Bei mir um die Ecke wird gerade sowohl an den Eisenbahnbrücken, als auch am Schienennetz der Straßenbahn gebaut und dabei wurde ein 250kg schwerer Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg gefunden.
Besonders brisant war an der Stelle nicht nur die ständige Erschütterung sondern auch die Tatsache, dass sich 20 Meter weiter eine Tankstelle befindet.
Eine kurze Recherche im www ergab, dass wir evakuiert werden mussten. Das war mir vorher auch noch nicht passiert. Der Stadtteil in dem ich wohne war früher eher ländliches Gebiet und schloss sich erst später an den Stadtkern an, somit gab es weder eine interessante Infrastruktur noch Industrie, die man hätte zerstören wollen. Aber sei’s drum, änderte ja nichts an der Tatsache, dass ich raus musste. Leider war der Radius so weit gezogen, dass meine Eltern in einem der letzten Häuser wohnen, die auch evakuiert wurden.
Vorübergehend obdachlos hatten wir aber alle drei nicht so rechte Lust in einer Schulsporthalle eingepfercht zu sein und sich ein Schulklo mit was weiß ich wie vielen anderen zu teilen.
Also habe ich kurz gefragt, ob wir in meinem Büro Unterschlupf finden können und das war auch gar kein Problem.

Eigentlich hätte das Ganze auch spätestens um Mitternacht über die Bühne gewesen sein können, gäbe es nicht besonders rücksichtsvolle Mitmenschen…
Das müsste ihr euch mal vorstellen, die Polizei evakuiert und die Leute bleiben mit ihrem Hintern mal ganz dickfällig in ihren Wohnungen sitzen. So etwas finde ich echt unfassbar. Die Nacht um 3 Uhr (!!!) wurden noch Wohnungstüren durch die Polizei geöffnet und die Leute dann aus der Gefahrenzone gebracht. Ihr könnt euch echt nicht vorstellen, was da bei Facebook alles an Kommentaren abging. Ich meine, die meisten mussten halt wieder arbeiten.
Erschwerend kam hinzu, dass irgendwann die Meldung durch’s www geisterte, dass der Pilot vom Polizeihelikopter erkrankt sei und man das Gebiet daher nicht mehr mit der Wärmebildkamera überfliegen könne.
Auch da wurde ordentlich gelästert, bis dann klar war, dass er nicht an Bauchnabelsausen litt, sondern er mit einem Laserpointer geblendet wurde. Was ja dann auch wieder klar machte, warum nicht ein Ersatzpilot gestartet ist.
Echt jetzt? Wir leben in einer teilweise echt kranken und gehirnamputierten Welt. Sorry, aber das muss mal in aller Deutlichkeit gesagt werden. Ich verstehe echt nicht, wie man so drauf sein kann und würde ja eindeutig befürworten, dass Menschen, die einen Polizeieinsatz derartig behindern, mal ordentlich mit einem Bußgeld belegt werden.
Um 3:15 wurde das Gebiet für sicher erklärt, um 3:20 begann die Entschärfung und um 3:50 war der ganze Spuk vorbei.
Um 4:30 lag ich endlich in meinem Bett, da war ich auch bloß schlappe 23 Stunden wach…

Tja und gestern war nun wieder Donnerstag. Was soll ich sagen…. Schlimmer geht immer?
In Hannover haben wir die ganze Zeit eigentlich richtig viel Glück, was das Wetter angeht. Das ganze Jahr über machen Schlechtwetterfronten sprichwörtlich einen Bogen um uns. Nachdem es gestern Nachmittag im Norden ja schon ordentlich zur Sache ging, war es irgendwann klar, dass es uns diesmal auch erwischen würde.

Um 19 Uhr habe ich noch gemütlich auf dem Balkon gesessen, ein Buch in der Hand und den zweigeteilten Himmel bestaunt. Im Südwesten noch strahlender Sonnenschein und Richtung Nordosten dicke dunkle Wolken. Das Ganze sah aus, als hätte man zwei verschiedene Blätter Papier nebeneinander gelegt. Von der dunklen Seite her, war ein beständiges Gegrummel zu hören. Kurz nach 20 Uhr zog es mich alleine schon durch den Fußball rein und dann ging alles echt schnell. Ich habe gerade noch so meinen Wäschständer vom Balkon retten können, da fielen schon die ersten Tropfen. Und ungefähr 10 Sekunden später brach die Hölle los. Der Regen war wie eine weiße Wand, das Wasser schwappte oben aus allen Regenrinnen raus und unglaubliche Sturmböen pfiffen ums Haus. Dann ein ohrenbetäubender Krach, vermischt mit reichlich Blitz und Donner.
Mein Balkon ist ein gutes Stück überdacht und meine Wohnzimmerfenster werden nie nass bei Regen. Gestern lief das Wasser nur so daran herab.



Als der Spuk einigermaßen vorbei war, bin ich vorsichtig auf meinen gefluteten Balkon gestiefelt und habe die Nase nach draußen gesteckt – wie übrigens die meisten meiner Nachbarn. Die Mülltonnen hatten eine Eigendynamik entwickelt und lagen überall verstreut und der ohrenbetäubende Krach war eine riesige alte Kiefer, die es wie ein Streichholz in der Mitte abgebrochen hat. Die lag jetzt quer über die Terrasse und das Auto der Nachbarn.

Nachdem gegenüber die Häuser im Eingangsbereich überflutet waren, war es ziemlich klar, dass auch unser Gulli vorm Haus das sicherlich nicht geschafft hat. Und richtig, das Treppenhaus im Eingangsbereich war gut gewässert, aber nicht so schlimm wie bei den anderen, weil ich mich am Anfang des Jahres per Zufall dran gemacht hatte, den Gulli etwas zu säubern. Sicherlich nicht meine Aufgabe als Mieter, aber ich hatten eben keine Lust durch Pfützen von der Garage ins Haus zu tapsen. Dafür sind mir dann meine Schuhe auch echt zu schade.
Meine Nachbarn und ich haben dann erstmal eine kleine aber feine Treppenhaustrockenlegungsputzparty veranstaltet. Zumindest haben wir unseren Humor nicht verloren. Als ich dann alles Zeug, was auf dem Gulli gelandet war, in die Mülltonne bringen wollte, wurde mir das Ausmaß des Kiefernproblems erstmal so richtig bewusst. Ich war davon ausgegangen, dass die nur zu einer Seite abgeknickt war, aber nein, die lag quer über die Straße. Wenn ihr euch jetzt fragt, warum das von so großer Bedeutung ist: Ich wohne in einer Sackgasse. Noch Fragen?


Erstaunlicher Weise hat aber wohl niemand so recht bei der Feuerwehr angerufen… Das habe ich heute Morgen festgestellt, als ich noch im Schlafanzug um die Ecke geblinzelt habe. Nachdem ich Bescheid gegeben hatte, waren die Einsatzkräfte aber richtig schnell da und baff erstaunt über das Ausmaß. 


Mein Büro musste ich auf später vertrösten und hatte quasi einen Logenplatz, um mir die Arbeit der Feuerwehr anzuschauen. Ich kam mir ja schon beinahe vor, als wäre ich mitten in einem Dreh zu „Chicago Fire“ gelandet….
Da wurde einem aber auch alles geboten, sogar eine Drehleiter musste noch extra angefordert werden, weil der Baum daneben so angeknackst war, dass er auch gleich mit zerlegt werden musste.





So und ihr so? Auch kleine Pfützen zu bekämpfen gehabt?
Ich hoffe nicht zu große und nicht zu viele!

Habt es fein!

Kommentare:

  1. Oh meine Güte, Vanessa! Da wollen wir uns gar nicht erst vorstellen, was der nächste Donnerstag wohl so bereithält! 🙊😉 Das ist ja wirklich heftig, sowohl die Evakuierung wie auch das Unwetter. Und niemand hat wegen dem Baum die Feuerwehr verständigt? Das ist schon noch speziell... aber vermutlich haben alle gedacht "die Vanessa wirds schon richten"... Na ja, Hauptsache Du hast alles heil überstanden und bist mal wieder hier.
    Ich wünsche Dir einen gemütlichen Abend und morgen einen ruhigen Sonntag. Hoffentlich auf bald!
    ❤lichst, Nadia

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  2. Liebe Vanessa
    Oh das sind aber grauenhafte Donnerstage :-/ dann hoffe ich das dir der nächste nur schöne Sachen bringt! Bei uns ist bisher kein Gewitter gewesen würde dringend auf Regen warten
    GLG Silke

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  3. O Mann, Vanessa. Da hab ich mich jetzt dabei erwischt, wie ich mehrmals mit dem Kopf geschüttelt habe, als ich das gelesen habe. Manche Menschen müssen immer dagegen arbeiten. Unfassbar.
    WIe schnell der Einsatz eigentlich vorbei hätte sein können, wenn man diese Quertreiber nicht gehabt hätte. Da hattest Du ziemlich viel Abenteuer, hoffentlich wird es jetzt wieder ruhiger bei Dir:-)
    glg Susanne

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  4. Meine Güte Vanessa,
    da habt Ihr aber echt aus dem vollen geschöpft. Ich mag gar nicht drüber nachdenken, was es für ein Gefühl sein muss, evakuiert zu werden. Ich stelle mir das ganz schrecklich vor.
    Aber auch das Ihr das Unwetter so voll abbekommen habt...Mensch Meier
    Und das es dann immer wieder solche Idioten gibt, die auf so gefährlich Weise auch noch alle behindern. Ich finde die dürften ruhig härter als nur mit einem Bußgeld belegt werden..da hätte wer weiß was passieren können
    Liebe Grüße und fühl Dich umärmelt
    Bettina

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  5. Ach Vanessa,
    so schnell kommt man also an einen Tag bürofrei!
    Ne, finde ich nicht lustig. Aber hier hat es gar nicht geregnet. Null, aber morgen soll es auch hier losgehen.
    Ich bin gewappnet.
    Gulli ist gesäubert.
    Eigentlich mag ich Montage sehr gerne, aber den heutigen hätte ich mir auch schenken können.
    Hoffentlich wird der Donnerstag besser.
    Dir einen schönen Abend, lieben Gruß
    Nicole

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  6. Ob es am Namen DONNERstag liegt, liebe Vanessa?
    Da hast du ja Einiges erlebt. Dinge die kein Mensch braucht. Kommmmmmm.... gib dem Donnerstag noch eine Chance. Jetzt ist er bestimmt brav.

    liebe Grüße, auf dass der kommende Donnerstag ein schöner wird.
    Nicole

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  7. Liebe Vanessa,
    da heute Donnerstag ist, dachte ich, es ist eine gute Zeit zum kommentieren;) Ich hab nachgeschaut: Kein Unwetter für heute in Sicht. Keine anstehende Bombenräumung im Raum Hannover...Die Vorzeichen sind ganz gut....vielleicht wendet sich das Blatt und die Donnerstage werden wieder schön bei dir:)
    Ganz viele liebe Grüße, Anke

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  8. Liebe Vanessa,
    wir wohnen ja jetzt nicht sooo weit auseinander, dashalb wußte ich leider nur zu gut, welches Wetter du da beschreibst...
    Auch bei uns haben die Wasserfluten mächtig für Aufregung gesorgt.
    Hausflur und Keller sind mir vollgelaufen. Man, wie gut, dass im Keller nichts Wertvolles lagerte.
    Aufräumen wollte ich ihn ja seit Jahresanfang schon. Nun gab es keine Ausreden mehr. Wozu doch so ein Unwetter gut sein kann!
    Herzlicher
    Claudiagruß

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  9. Liebe Vanessa,
    ein ähnliches Erlebnis hatten wir auch schon, aber "Gott sei Dank" ist das Jahre her und es gab außer den umgestürzten oder abgebrochenen Bäumen keinen nenneswerten Schaden. Aber man schaut nach solch einem Erleben mit größerer Skepsis auf die nächsten Stürme...
    Gut, dass auch bei Euch letztendlich alles glimpflich ablief!!!

    Alles Liebe
    Heidi

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